Dublin

Der Begriff ‚Irische Kochkunst’, so böse Zungen, ist ein Widerspruch in sich. Eins vorweg: Das Irish Stew – eine Art Kasserolle mit Lammfleisch, Zwiebeln und Kartoffeln – ist es nicht, was Dublin zu einer unverwechselbaren Stadt macht… Eher schon das weltberühmte irische Guinnes, obwohl auch hier die Geschmäcker auseinander gehen. Fest von ihrem Bier überzeugt sind aber nicht nur die Iren selbst: Bereits 1759 von Arthur Guinnes gebraut, zählt das im Volksmund liebevoll „Muttermilch der Iren“ genannte Bier heute zu den größten internationalen Biersorten. Nach bescheidenen Anfängen nimmt die Guinness-Brauerei heute an ihrem Standort in Dublin eine Fläche von 25 Hektar ein und gilt als wichtigster Arbeitgeber der Hauptstadt. Auch der ursprüngliche Name der Stadt weckt Assoziationen mit dem fast schwarzbraunen Getränk: Dublin ist die englische Form von Dubh Linn, irisch für ‚Schwarzer Tümpel’.

Natürlich hat Dublin mehr zu bieten als Bier. Nicht erst seit U2 und Sinead O’Connor gilt die Stadt als Musikhochburg. Folk-Fans, Altrocker und Klassikliebhaber kommen bei zahlreichen Festivals und Konzerten auf ihre Kosten, in den meisten Pubs gibt es noch mehr oder weniger regelmäßig ‚handgemachte’ Musik. Wer jedoch die „Dirty Old Town“ oder „verträumteste Stadt Europas“ von früher sucht, wird überrascht sein. Nach einem Boom-Jahrzehnt der irischen Wirtschaft mit Wachstumsraten von fast zehn Prozent hat sich die Hauptstadt zu einer schnellen und modernen europäischen Metropole entwickelt. Das ist nur gerecht: wer heute ein „Original Irish Pub“ sucht, wird schließlich auch in fast jedem Land Europas fündig…

Typisch irische Musik

Der „Irish Folk“ hat auf der ganzen Welt seine treuen Fans. Viele kulturell interessierte Irlandgäste reisen hauptsächlich deshalb an, um irische Musik live in ihrem Ursprungsland zu hören – dort, wo sie am authentischsten erlebbar und erfahrbar ist. Das jährlich im August an wechselnden Austragungsorten stattfindende „All-Ireland Fleadh“ gibt hierzu eine gute und stets gern genutzte Gelegenheit. Andere Zentren musikalischen Geschehens liegen in Doolin, Dublin, Galway und Dingle.

Typisch irische Musik erkennt man sofort an ihrer traditionellen Instrumentierung und dem lebhaften Rhythmus. Wenn Geige (Fiddle), Flöte (Tin Whistle), Dudelsack und Harfe sich in Irland zusammentun, kommt gleich fröhliche Stimmung auf. Deshalb hat traditionelle irische Musik bis heute nichts von ihrem Reiz und ihrem Charme verloren. Wie sehr diese Musik in die Beine fährt, kann jeder selbst erleben, der sich selbst vom Rhythmus in einem Pub zum ausgelassenen Tanzen verleiten lässt. Kein Wunder, dass hier Stepptanzen und Formationstanzen auf eine lange Tradition zurückblicken können, die auch die Formation „Riverdance“ zu weltweitem Ruhm geführt hat.

Irische Musik kommt aus dem Bauch und aus dem Herzen – darum ist sie so mitreißend. Viele irische Künstler verwirklichen ihr naturgegebenes Musikertalent, ohne überhaupt Noten lesen zu können. Sie erfassen die Melodien intuitiv mit ihren Ohren und mit ihren Seelen. Deshalb berührt Musik in Irland das Gemüt und das Tanzbein gleichermaßen, befreit für die Dauer ihres Erklingens auf wohltuende Weise von den Sorgen des Alltags und hat für jeden Geschmack etwas passendes zu bieten. Vielleicht ist sie deshalb auch in den Pubs fröhlich gelebte Tradition.

Die Blasket Islands

Die irischen Blasket Islands sind eine Formation aus kleinen und inzwischen unbewohnten Inseln und liegen vor der Spitze der Halbinsel Dingle im Atlantik. Die größte von ihnen, Great Blasket, trennen ca. zwei Kilometer von der irischen Küste von Dingle. Das Eiland misst etwa sechs Kilometer Länge mit südwestlicher Ausrichtung und kommt an seinem höchsten Punkt, dem Gipfel des „Croaghmore“, auf 292 Meter Höhe.

Die größeren unter den Blasket Islands waren durchgängig bevölkert, bevor im 20. Jahrhundert zunehmend inakzeptable Lebensumstände und die Massenflucht der jungen Leute aus dem ärmlichen Fischerdasein dringenden Handlungsbedarf schufen. Im Jahre 1953 wurden die letzten 22 Bewohner von Great Blasket mit freundlichem Nachdruck auf das irische Festland umgesiedelt. Damit endete die Ära menschlicher Siedlungen auf den Blasket Islands.

Für durchschnittliche europäische Standards war das damalige Leben auf den Blasket Islands von einer unvorstellbaren Primitivität geprägt. Diese Art bloßer Existenz am zivilisatorischen Limit machte die Blasket Insulaner zum begehrten Studienobjekt von Volkskundlern aus den Bereichen Anthropologie, Soziologie und Sprachwissenschaft. So mancher Insulaner fühle sich von dem wissenschaftlichen Interesse für ein Stück moderner Steinzeit zu literarischen Arbeiten über das eigene Leben motiviert. Heute sind diese Schriften anrührende und wertvolle Zeitzeugen aus einer erstaunlich nahen Vergangenheit.

Außer Great Blasket ist noch die Insel Beginish von Interesse, die heute Küstenseeschwalben und Kegelrobben als beliebtes Brutgebiet dient. Auch Inishvickillane ist als Nistplatz bei diversen Seevogelarten ausgesprochen beliebt. Und Inishtooskert ist wegen ihrer markanten Form unter dem Namen “Toter Mann“ bekannt. Wer zerfallene Ruinen faszinierend findet und gerne einmalige Naturbeobachtungen macht, sollte den Basket Islands unbedingt einen Besuch abstatten.

Sport in Irland

Irland ist eine bewegungsfreudige und sportbegeisterte Nation, deren Leidenschaft vorwiegend den Mannschaftssportarten im allgemeinen und den Ballsportarten im Besonderen gilt. Bei letzteren erfreuen sich „Gaelic Football“ (eine Mischung aus Fußball und Rugby) und „Hurling“ (eine der schnellsten Mannschaftssportarten überhaupt mit leichten Ähnlichkeiten zu Hockey) größter Beliebtheit. Wenn Frauen die Hurling-Schläger zur Hand nehmen, heißt das schnelle Spiel „Camogie“.

Gaelic Football und Hurling/Camogie sind reine Amateursportarten, was die zahlreichen enthusiastischen Fans jedoch nicht daran hindert, ihren Teams bei den jährlichen Meisterschaften frenetisch zuzujubeln. Dem „Gaelic Football“ wird im Rahmen des „All-Ireland Senior Football Championship“ gehuldigt, während sich im „All-Ireland Senior Hurling Championship“ die reaktionsschnellsten und sprintstärksten Feldathleten miteinander messen. Dabei bleiben trotz des sprichwörtlichen irischen Temperaments und der anfeuernden Hexenkesselatmosphäre die eingeschworenen Fans der unterschiedlichen Lager für gewöhnlich friedlich.

Rugby und Fußball nehmen ebenfalls eine zentrale Position im Sportgeschehen Irlands ein. Die irische Rugby-Nationalmannschaft gehört zu der internationalen Spitze und ist auf allen Meisterschaften und Turnieren Europa- und weltweit ein gefürchteter und schwerer Gegner.

Das Fußballfieber brach in Irland aus, als Jack Charlton zur allgemeinen Überraschung die irischen Fußballnationalmannschaft unter seine Trainerobhut nahm und die irischen Kicker vom europäischen Mittelmaß auf die Siegerstraße führte. Unter Charlton kam Irland 1990 in Italien ins WM-Viertelfinale und qualifizierte sich gleich für weiteres weltmeisterliches Kräftemessen in den U.S.A. und in Japan.

Zu guter letzt sei noch die gelebte Liebe der Iren zu Golf, Pferderennen, Bodybuilding, Badminton, Athletik, Handball und Eishockey erwähnt. Langstreckenfans kennen den beeindruckend gut besuchten Dublin Marathon, der seit 1980 jedes Jahr am letzten Montag im Monat Oktober veranstaltet wird. Arganöl soll für Sportler auch sehr gesund sein!